Montag, Oktober 30, 2006

Köppel: Fauxpas zum Zweiten

(oder: Teilchenphysiker ein Scharlatan?)

Da ist mal wieder jemand ins polemische Fettnäpfchen getreten (Köppel's Leitkommentar in der Weltwoche vom 19.10.):

Der sogenannte "New-Age-Scharlatan namens Fritjof Capra" hat nämlich nichts weniger als ein Ph.D. in Theoretischer Physik und war an diversen anerkannten Universiäten auf dieser Welt als Teilchenphysiker tätig.

Nebenbei schafft er es als einer der wenigen Naturwissenschaftler, Bücher zu schreiben, die auch einem Laien Physik verständlich erklären und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in einen breiteren Kontext setzen (z.B. in "The Tao of Physics"). Zudem erklärt er in seinem Werk "The Turning Point" sehr anschaulich, sehr gut recherchiert und unideologisch die Zusammenhänge zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in der jüngeren Geschichte.

Dass einer neben seinem fundierten (natur)wissenschaftlichen Wissen auch noch über seine Nasenspitze hinaus denken kann, verdient jeden Respekt und da könnte sich mancher Chefredaktor noch eine Scheibe abschneiden.

Ob eine intensive Beschäftigung mit der Gesellschaft und Ökologie reicht, jemanden in die New-Age Ecke zu stellen, wage ich mal zu bezweifeln. Scharlatane hingegen sind Leute, die ein Wisssen vorspielen, das sie nicht haben: Herr Köppel, haben Sie schon mal was von Fritjof Capra gelesen?

Montag, Oktober 16, 2006

Schreiben, was ist

Unter diesem Titel steht die erste Leitkolumne des neuen alten Chefredaktors der Weltwoche Roger Köppel. Schreiben, was ist? Das war exakt die Kernaussage einer Rede von Christoph Blocher anlässlich der Verleihung der Lokaljournalistenpreise im letzten Dezember (vgl. den Artikel im "Tages Anzeiger" vom 3.12.05 mit dem Titel "Journalisten müssen schreiben, was ist!" und die Frontseite der "Berner Zeitung" vom selben Tag). Ein purer Zufall? Wohl kaum, auch wenn keiner von beiden den Satz erfunden hat, da haben sich zwei Seelenverwandte getroffen.

Die Kolumne von Köppel bemüht darüber hinaus (nicht zum ersten Mal) einen historischen Vergleich der aktuellen Weltwoche mit der Zeit von Weltwoche-Gründer Karl von Schumacher, in dessen Tradition man schliesslich stehe. Dass dieser Vergleich mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges mehr als hinkt, da uns nämlich weder eine Invasion von Hitler-Deutschland (wie damals 1940) noch einer anderen Grossmacht droht, ist eigentlich offensichtlich. Dass sich hingegen Köppel gerne mit Karl von Schumacher vergleicht, so wie sich sein Spezi und Gelegenheitssouffleur Blocher gerne mit Winston Churchill in eine Linie stellt, offenbart eine weitere lustige Parallele zwischen den beiden Polemikern.

Im Gegensatz zum (Ex-)Unternehmer Blocher sollte der studierte Historiker Köppel eigentlich wissen, dass selten einfach "ist", was ist. Wirklichkeit wird immer über Wahrnehmung konstruiert und über Sprache gesteuert, definiert und interpretiert. Nicht selten entscheiden Politiker, Historiker, Wissenschaftler, Journalisten, Schriftsteller und Chronisten, was "ist" und was nicht. Oder wie Köppels Kollege Jean-Martin Büttner (im "Tages Anzeiger" vom 8.12.05) seine Replik auf Blochers Rede treffend übertitelt hat: "Wirklichkeit ist eine Funktion der Macht"! Nur totalitäre Regime nehmen für sich in Anspruch, die einzig wahre Realität zu kennen. (In ihrem Fall mag das sogar stimmen, denn sie definieren diese ja auch und eliminieren jegliche kritische Stimme).

So wie Bundesrat Blocher immer weiss, wie es ist und war, so weiss auch die Weltwoche als einzige, wie es ist und sieht sich als Winkelried im Kampf gegen den medialen Einheitsbrei. Zum Beispiel wenn sie Verschwörungsszenarien um einen Bundesanwalt entwirft und diesen ganz nach dem Gusto des Justizministers wegputscht. Oder wenn sie den armen Swissfirst-Chef (ebenfalls ein Spezi der Blocher-Familie) in Schutz nimmt, dem von den bösen Medien über Nacht sein wohlverdientes Geld weggeschrieben wurde. Oder wenn sie - ganz in der Tradition des Bedrohungsszenarios - weiterhin den Kampf der Kulturen herbeischreibt und die ganze islamische Welt als Teufel an die Wand malt, welche die westliche, aufgeklärte Gesellschaft in ihren Grundfesten bedrohe. Bei dieser ganzen Polemik, die sich teilweise nahtlos ins SVP-Parteiprogramm einfügt, gehen die Ausgewogenheit oder die gründliche Recherche, also die viel beschworene Faktentreue, oft flöten. Hauptsache man hat eine knackige Schlagzeile, auch wenn diese mit dem Inhalt des Artikels wenig zu tun hat.

Wenn der Aufruf "Schreiben, was ist" aber tatsächlich so gemeint ist, dass sich die Weltwoche künftig mehr an gut recherchierte Fakten halten will und weniger an polemisch und einseitg gefärbten Thesenjournalismus (im Stile eines Urs P. Engeler), dann freu ich mich auf einen entsprechenden Qualitätsschub. Ich würd aber dem Neu-Unternehmer Köppel dringend raten, die angeblich so hochgepriesene Unabhängigkeit zu bewahren und sich nicht als Kampfblatt der SVP und gewisser vermögender Kreise instrumentalisieren zu lassen. So dass die erste Leitkolumne nach der Ära Köppel nicht heissen muss "Wess' Brot er ass,..."!

Sonntag, Oktober 01, 2006

Medienmacht und Manipulation

Erst mal vielen Dank für Deinen Beitrag Quickie (siehe hier). Ich erlaube mir allerdings eine Replik auf ein Zitat von Dir, so dass vielleicht klarer wird, was ich mit Manipulation durch Sprache meine:

"Wie sehr allerdings diese Manipulation in unserer heutigen eher kritischen Mediennutzung funktioniert weiss ich nicht. Es wird wohl eher so sein, wie mit allen Medien: Man kann jemanden dazu bringen über etwas zu Denken, ihm aber nicht seine Meinung aufdrängen."

Das Problem ist eben, dass die Manipulation subtiler erfolgt als über konkrete Meinungen. In dem die Medien entscheiden, worüber überhaupt berichtet wird, beeinflussen sie unser Denken sehr wohl. Es gibt ja sehr viel Schreibens- und Denkenswertes, das Du in den Mainstream-Medien nie finden würdest.

Nebst den Themen liefern sie aber meist auch Erklärungsmuster, das heisst Problemdefinitionen, Lösungsvorschläge, Ursache-Wirkungs-Zuschreibungen und und und. Diese werden meist als Fakten behandelt und noch nicht als verhandelbare Meinung. Dazu kommen Aussagen von "Experten", die oft genug wiederholt, plötzlich als Tatsachen dastehen (Beispiel: "Experte XY meint, Vogelgrippe wird durch Zugvögel übertragen" - Alternative: "Vogelgrippe wird durch Hühner- und Zuchtindustrie längs der Handelswege übertragen" wurde nie erwähnt [nur einmal in der WoZ], obwohl die Evidenzen dort viel grösser wären [Vogelgrippe hat sich entlang der Handelswege verbreitet, Zugvögel könnten auch nur Kollateralschäden sein]).

Andererseits - und da sind wir bei der Sprache - geht es um Begriffsdefinitionen wie "(Wirtschafts-)Wachstum", oder "Asylmissbrauch", "Arbeitsmarkt", ..., die mit Wertungen konnotiert sind, ohne dass a) der Begriff b) die jeweilige Annahme, die hinter der Wertung steckt, nochmals diskutiert wird. "Wachstum" ist gut, muss sein, das weiss jeder, selbst wenn die meisten nicht wissen was Wachstum genau heisst, und wieso es gut sein soll. Die Fragen nach dem "Was ist überhaupt Wachstum? Wie wird es gemessen? Was bringt es dem Einzelnen? Kann man den ewig weiter wachsen?" werden gar nie mehr gestellt.

Auch der Begriff "Arbeitsmarkt" hat das System der Marktwirtschaft schon völlig verinnerlicht. Es ist gar nicht anders denkbar, als dass man seine Arbeit zu "Marktpreisen" (Konnotation: Markt=gut=fair=modern=effizient) her gibt. Der Markt definiert den Lohn, auch wenn das heisst, dass die Krankenschwester einen Hundertstel des Managers verdient. Wenns der Markt so will, machts wohl Sinn. Dass Märkte nur dann ideal funktionieren können, wenn alle Marktteilnehmer gleich gut informiert sind, und dass das selten der Fall ist, erwähnt niemand, denn der Markt ist der MARKT und hat schon fast Gottesstatus.

Jedes (gesellschaftliche) Problem, über das wir sprechen, kann unterschiedlich angegangen werden. Bevor es überhaupt um Werte und Meinungen geht, muss erst klar sein, was man überhaupt diskutieren will. Was man benennen will. Was man damit meint. Was man lösen will, was nicht. Das geschieht aber nur in 0.1 Prozent der Fälle (bei ganz neuen Themen und in speziellen Foren). Die grosse Menge der Medienberichte stützt sich auf ein "Vorwissen" bzw. gängige Sprachregelungen und Begriffsverwendungen, Probleme und Themen, Meinungen und Aussagen, die sich in einem sehr engen Bereich bewegen. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum der "Normalbürger" links und rechts, bzw. die verschiedenen Parteien und Politiker gar nicht mehr auseinander halten kann.

Damit man miteinander über komplexe Dinge sprechen kann, muss viel (sprachliche) Vorarbeit geleistet werden. Es ist erstamal gar nicht so einfach, überhaupt vom selben zu sprechen. Die Lösung ist aber nicht, dass man bei allen Problemen einfach den Sprachregelungen von ein paar wenigen "Opinion Leaders" folgt, die sich meist untereinander schon angenähert haben. Ab und zu müssen Ideen, Konzepte, aber auch Wörter und ihre Bedeutung, wieder mal aus der Distanz angeschaut werden, bevor man sie braucht. Die Massenmedien beschränken sich aber meist aufs Wiederkäuen von bereits Gesagtem.

Noch ein kleines Beispiel: Die NZZ hat als eine der wenigen Zeitungen eine relativ klare und eigenständige Linie (sie entspricht zwar oft nicht meiner Meinung, aber sie hat wenigstens eine). Wenn man den Inland- oder den Wirtschaftsteil liest, merkt man oft, welche Konzepte und Ideen hinter ihrer Sprachverwendung stehen. Dies sind Dinge, die jeweils nicht mehr explizit erwähnt werden müssen. Ein NZZ-Leser weiss, mit welcher Brille die Artikel geschrieben werden. (Qualitativ gehören die Artikel zum Besten was die CH Medienlandschaft zu bieten hat, auch wenn man sich über die dominante Brille der liberalen Marktwirtschaft streiten kann).

Es geht tatsächlich um die Brille unserer Wahrnehmung. Die Brille die wir aufhaben, besteht zu einem grossen Teil aus unserer Sprache, unseren Konzepten, unseren Begriffen. Und wenn wir Medien konsumieren, dann schauen wir noch durch eine zusätzliche Brille (die des Journalisten), das kann unsere Sicht der Dinge enorm bereichern. Wenn aber alle Medien durch die selbe (oder sehr ähnliche) Brille schauen, dann wird es langweilig bis gefährlich. Ausser der WoZ, der NZZ und der Weltwoche machen das ziemlich alle Schweizer Medien. Leider beschränkt sich letztere darauf, hauptsächlich "immer alles anders" zu sehen, oft leidet dann die Qualität des Inhalts unter dieser Polemik. Naja, das wär dann ein anderes Thema.

Montag, September 25, 2006

Zum neuen Ausländergesetz

Auf ignoranz.ch kommentiert der User Beat die Kritik am Abstimmungsreusltat mit dem Hinweis, wem es nicht passe, der könne die Schweiz ja verlassen...

Vielen Dank für diesen Hinweis (auch wenn Davonlaufen nur selten eine gute Lösung ist). Dass wir jederzeit gehen können, stimmt natürlich. Aber auch nur, weil die umliegenden Länder ihre Grenzen noch nicht so dicht gemacht haben wie wir!

Und weil wir das Glück haben Europäer zu sein und in den meisten Fällen gut gebildet.

So und was sage ich nun meiner Bekannten aus Brasilien, die hier einen Job hat in der Pflege, redlich ihr Geld verdient, Arbeit macht, für die zu wenig Schweizer sich die Finger schmutzig machen?

Mit dem neuen Ausländergesetz hat sie keine Chance in der Schweiz eine Arbeitsbewilligung zu kriegen. Und wieso? Weil sie kriminell ist?
Nein, weil sie keine Europäerin ist. Na toll. Wenn das nicht ein Rückfall in die politische Steinzeit ist. (Die Nicht-Arier lassen grüssen.)

Die Linke hat bei dieser Abstimmung total versagt. Sie hat unermüdlich auf die “humanitäre Tradition” hingewiesen und auf die Unmenschlichkeit des Asylgesetztes. BUUUULLLLSHIT. Missbrauch im Asylwesen soll durchaus bekämpft werden (über die Mittel/Härte kann man sich natürlich streiten).

Aber das wahre Problem ist nicht das Asylgesetz. Das Problem ist die Personenfreizügigkeit mit der EU in Verbindung mit dem neuen Ausländergesetz. Aus der EU sind alle willkommen, von ausserhalb niemand. Das heisst für Nicht-Europäer gibt es gar keine andere legale Chance, in der Schweiz zu arbeiten und zu leben, ausser ein Asylgesuch zu stellen (welches logischerweise abgelehnt wird, wenn die Person nicht politisch verfolgt ist).

Wieso verteilen wir nicht Greencards (wie die USA) an Wirtschaftsflüchtlinge AUS DER GANZEN WELT, tragen mit dazu bei, die globale Ungleichheit ein wenig zu lindern und beschränken aber die Kontingente auf das wirtschaftlich und gesellschaftlich tragbare?

So gäbe es wenigstens eine CHANCE für Wirtschaftsflüchtlinge ihr Glück in der Schweiz zu versuchen, ohne in die Illegalität gedrängt zu werden.

Wieso nehmen wir nicht einfach jährlich ein Kontingent an echten Flüchtlingen auf (so wie Blocher sogar vorgeschlagen hat)? Dann ist auch niemand mehr böse, wenn man die anderen abweist.

Aber überlegt mal selber. Wer putzt/kocht/pflegt in der Schweiz in 20 Jahren, bei unserer Reproduktionsrate? Der Beat?

Freitag, August 25, 2006

Geld oder nicht Geld?

Wohin externalisiert der Kapitalismus seine Kosten in einer globalisierten Welt, oder besser gesagt in einer global kapitalistischen Welt? Jenseits von der Frage, wie die Arbeit, die Wertschöpfung und das Kapital innerhalb kapitalistischer Gesellschaften verteilt sind, muss sich diese Frage stellen.

Die Grundidee einer kapitalistischen Gesellschaft ist es, mit Hilfe des Geldes globale Tausch-, Handels- und Produktionsbeziehungen zu ermöglichen. Faktisch gibt es natürlich Ungleichheiten zwischen einzelnen Nationen (verschiedene Währungen, andere Ressourcen, anderes Wissen, andere Kulturen), doch dem Geld ist das egal. Es wird dort investiert, wo es sich am einfachsten vermehren lässt.

Es stellt sich nun die Frage, was denn die Vermehrung von Geld tatsächlich rechtfertigt.

Wenn der Markt funktioniert, wird der Geldwert (Preis) von Gütern und Dienstleistungen streng nach Angebot und Nachfrage festgelegt. Geld ist aber immer ein relativer Wert. Ein Produkt kann nur verglichen mit einem anderen Produkt besser, rarer oder teurer sein.

In einer perfekt funktionierenden Geldwirtschaft müsste die Summe aller geschuldeten und verfügbaren Geldwerte genau Null betragen. Geld hat theoretisch eine reine Vermittlerfunktion. Geld an und für sich hat keinen Wert (das mag für Mitglieder westlicher Zivilisationen absurd klingen, ist aber so; würden alle Geldbesitzer innerhalb der nächsten 24 Stunden ihr Vermögen von ihrer Bank in Form von Gold oder einer anderen real existierenden Ressource ausbezahlt wollen, das System würde im Nu zusammenbrechen).

Dass in den meisten Gesellschaften zumindest der nördlichen Hemisphäre (also den Zentren des kapitalistischen Systems) Geldwerte einigermassen stabil sind, ist an und für sich sehr erstaunlich. Dies funktioniert nur, weil komplexe Mechanismen und Regulatorien in die Geldwirtschaft eingeführt wurden, bei welchen einzelne Machtzentren zwar eine grosse Rolle spielen, sich jedoch praktisch vollumfänglich an Marktmechanismen halten müssen - ihrer eigenen Stabilität zu Liebe. Dies wäre eigentlich ein Musterbeispiel einer Quasi- Selbstregulation.

Das Ganze hat jedoch gewisse Haken, um es mal gelinde auszudrücken. Der erste Haken ist wie schon angesprochen die Abdeckung von Geldwerten mit realen Ressourcen. Sobald es hart auf hart geht, werden nicht nur Aktienmärkte kollabieren, sondern auch die Vermögen von ganzen Nationen (von Einzelnen und Familien sowieso) über Nacht wegschmelzen. Das Einzige was dann noch hilft, ist der Besitz von realen Ressourcen wie Land, Wasser, Öl und ein paar wenigen anderen lebensnotwendigen Gütern.

Es ist ja nicht so, dass die wirklichen Machthaber und Fädenzieher dieser Welt dies nicht wissen (ob sie es intuitiv oder logisch erfasst haben, spielt dabei gar keine Rolle). Wie anders sind wohl die neoimperialistischen Avancen der mächtigsten Nationen dieser Welt zu erklären? Dabei ist Europa ebenso wenig ausgenommen, wie Russland oder Teile Asiens. Der Schuldenerlass an die ärmsten Nationen und ähnliches sind eine reine Farce angesichts der realen Perspektiven und Probleme dieser Länder. Ob der Kampf um neue Absatzmärkte und günstige Ausgangspositionen in ressourcenreichen Regionen nun unter dem Deckmantel von Demokratie geführt wird oder nicht, ist dem Imperium des Geldes wohl so ziemlich egal.

Der nächste Börsenkollaps, die nächste Wirtschaftskrise ist bloss eine Frage der Zeit. Sei diese(r) nun verursacht durch Kriege, Aufstände, Katastrophen oder simpel durch die Tatsache, dass der Energiebedarf einer wachsenden Weltwirtschaft (die ja wachsen muss, um zu überleben!) nicht mehr gedeckt werden kann und ein Kampf um die realen Ressourcen ausbricht.

Bevor man sich über die Notwendigkeit von Wachstum und über die Frage nach Wachstum auf Kosten von wem oder was genügend Gedanken machen kann, wird die Geldwirtschaft in der Realität schon lange kollabiert sein, oder zumindest kurzfristig arg ins Straucheln geraten.

Was dann entbrennt, ist wie gesagt der Kampf um reale Ressourcen. Wie dieser Kampf aussehen wird, möchte man sich lieber nicht ausmalen. Denkt man an die Kriege vergangener Jahrhunderte, mischt eine Prise neuer Technologien und eine deftige Dosis wiederentdeckter Ideologien und schamloser Demagogie dazu, darf man grossen Teilen der Welt getrost gute Nacht sagen.

Nun will ich hier nicht schwarz malen. Es gibt zum Glück noch andere Wege, wie das System der Geldwirtschaft kollabieren kann. Im Kleinen ist ja gegen Geld nichts einzuwenden, es erfüllt gute Dienste. Ich möchte meine Äpfel auch nicht täglich beim Bauern holen gehen und dem Handwerker eine Kuh mitbringen, damit er mir fliessendes Wasser in die Wohnung bringt. Das Problem entsteht erst dann, wenn sich das Geld so sehr von seinen Besitzern entfremdet hat, dass eine enorme Macht damit ausgeübt werden kann. Also dann, wenn das Geld so viel (absurden) Wert kriegt, dass sich Regierungen Atombomben kaufen können, dass sich Nationen ohne mit der Wimper zu zucken so tief verschulden können, dass sämtliches Gold auf der Welt nicht reichen würde, dieses Leben auf Pump zu finanzieren.

Wieso das Ganze (bis jetzt) funktioniert? Weil die Illusion geschaffen wird, dass Geld an und für sich einen Wert hat, weil das Vertrauen geschaffen wird, dass Geld auch morgen noch so viel Wert ist wie heute und das Märchen erzählt wird, dass jeder reich werden kann und sich damit mehr leisten, wenn er nur daran (an das Geld) glaubt. Tatsächlich funktioniert diese Plutokratie stellenweise und tatsächlich ist es für manche möglich, innerhalb einer schmalen Bandbreite finanziell aufzusteigen und sich damit mehr leisten zu können als vorher.

Längerfristig wird das aber nicht so funktionieren, weil die Verhältnisse sich ins Absurde wandeln. Das Verhältnis eines Arbeiterlohnes zum Verhältnis eines Managers ist genauso mickrig klein wie das Verhältnis dieses Managerlohnens zu dem Gesamtwert seiner Firma und dieser ist wiederum mickrig klein verglichen mit dem Budget des (Rechts?)Staates, in dem diese sich bewegt.

Solange das Vertrauen in Geld erhalten werden kann und je grösser die Wirtschaftsräume werden, so lange werden sich die Zentren der Macht (und Teile ihrer Bevölkerung) die Hände reiben. Es gibt nur einen Weg den Mächtigen den Boden unter den Füssen wegzuziehen. Nehmt Ihnen das Geld weg! Ganz einfach. Ich spreche nicht von Diebstahl, ich spreche nur davon, diesem Geld bzw. diesem System kein Vertrauen mehr zu schenken. (D.h. zum Beispiel eigene Tauschsysteme aufbauen, das Geld nicht in herkömmlichen Aktien anlegen, ...)

Arbeitnehmer vs. Arbeitskraft


Nehmen wir zum Beispiel das Wort Arbeitnehmer. Es suggeriert, dass derjenige, der arbeitet, etwas „nimmt“. Er kriegt die Arbeit vom gütigen Arbeitgeber. Dabei ist es der Angestellte der etwas gibt, nämlich seine Arbeitskraft. Er kriegt dafür einen (mehr oder weniger ausgeprägten) Lohn, aber er gibt seine Zeit und Energie für die Arbeit her, und zwar meist einen sehr grossen Anteil an Zeit seines Lebens. Und meist hilft er dabei mit, für den Arbeitgeber oder Unternehmer oder gar Aktionär mehr Geld zu erwirtschaften, und zwar ein Vielfaches dessen, was er selbst dabei verdient.

Es geht hier gar nicht darum, die Unternehmer und deren Leistungen in Frage zu stellen. Es braucht die Unternehmer, die fähig und willens sind einen eigenen Betrieb zu führen. Sie sorgen dabei für Arbeitsplätze und produzieren wertvolle Güter und Dienstleistungen für die Gesellschaft. Ein guter Unternehmer ist darum besorgt, die Arbeitsplätze seiner Angestellten zu erhalten und sie weiterhin zu ernähren. Wenn der Produktivitätszuwachs es erlaubt, am einen Ort Arbeitskraft einzusparen, dann setzt er diese an einem anderen Ort ein, beispielsweise, um ein neues Produkt voranzutreiben.

Profit ja, aber wozu?

Nur sieht die Realität heutzutage so aus, dass die wirklich „erfolgreichen“ Unternehmen diejenigen sind, die am besten Arbeitskraft einsparen und dabei möglichst grossen Profit machen. Nun ist nichts dagegen einzuwenden, dass ein Unternehmen versucht profitabel zu wirtschaften. Es hat jedoch Grenzen. In einer immer grenzenloseren und bedingungsloseren Gesellschaft wird es immer ärmere Leute geben, die eine gewisse Arbeit billiger machen als andere. Das allein sollte jedoch kein Grund sein, alle Arbeitsplätze auszulagern. Damit drücken sich die Unternehmen vor ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.

Gesellschaftliche Verantwortung

Die Unternehmen profitieren nämlich auf der anderen Seite sehr wohl von der Gesellschaft, in der sie leben. Sie profitieren von der politischen und wirtschaftlichen Stabilität eines Landes, vor der oftmals von Steuergeldern bezahlten Infrastruktur (Schulen, öffentlicher Verkehr), aber auch von der staatlich mitfinanzierten Lebensqualität (Freizeitangebote, Parkanlagen, Theater, Opernhäuser). Oftmals werden sie auch durch Steuererlasse geködert.

Investitionen oder Abschöpfung?

Die Frage ist also, was mit dem erwirtschafteten Gewinn passiert. Wird er wieder in die Wirtschaft, also in Investitionen und Arbeitsplätze investiert, ist dagegen nichts einzuwenden.

Viele dieser grossen Unternehmen ernähren aber nicht nur die einfachen Angestellten, sondern auch ein gut verdienendes Kader, einen oder mehrere gut bezahlte Manager, und verglichen mit ihrem Arbeitsaufwand noch mal viel besser bezahlte Verwaltungsräte. Nicht zuletzt ernähren sie auch die Aktionäre. Der Anteil vom Kuchen des Unternehmensumsatzes, der tatsächlich den einfachen Angestellten zu Gute kommt, wird dementsprechend kleiner.

Damit sinkt der Anteil des direkt re-investierten Gewinnes. Die Shareholder werden ihren Gewinn nicht in Forschung und Entwicklung des Unternehmens stecken, in das sie investiert haben. Ein einfacher Unternehmer, der nicht die Aktionäre bedienen muss, tut das hingegen schon. Er sorgt unmittelbar für den fortwährenden Erfolg des Unternehmens. Er entzieht dem Unternehmen kein Kapital, so wie Verwaltungsräte, Aktionäre und vor allem Spekulanten dies tun.

Stellenabbau und volkswirtschaftliche Konsequenzen

Daneben müssen börsenkotierte Unternehmen dem Schrei des Marktes nach grösstmöglicher Effizienz (ein Massstab, der die Qualität oft vernachlässigt und das Wohlergehen der Angestellten überhaupt nicht einbezieht) Folge leisten und dabei oft Stellen abbauen (neudeutsch: Kosten sparen), um die Aktionäre zufrieden zu stellen.

Was hat das für volkswirtschaftliche Konsequenzen? Es gibt mehr Arbeitslose, der Druck auf die einzelnen Arbeit“nehmer“ steigt. Zudem entsteht eine Klasse von vermögenden Kaderleuten und Aktionären, welche die durchschnittliche Kaufkraft des Landes und damit die Preise in die Höhe treiben. Damit geraten die einfachen Angestellten noch mehr unter Druck, weil sie für die Deckung ihrer Lebenserhaltungskosten noch mehr arbeiten müssen.

Wer profitiert?

Was ist nun der volkswirtschaftliche Nutzen eines effizienter geführten Unternehmens, dessen Führung und Bezahlung der Spitzen genauso viel kostet, wie die Effizienzsteigerung bringt?

Gar keiner, es findet lediglich eine Umverteilung von unten nach oben statt, von den Angestellten zu den Spitzenmanagern, Aktionären und Spekulanten. Zudem werden aus Familienbetrieben undurchsichtige Unternehmen mit breiten Spitzen und ineffizienten Verwaltungen. Gerät ein Manager in die Schusslinie, weil er sich zum Beispiel gegenüber seinen Angestellten unkorrekt verhalten hat, wird er einfach durch den nächsten ersetzt.

Die teure und ineffiziente Bürokratisierung in grossen Unternehmen steht der Staatsbürokratie im Sozialismus in nichts nach. Lediglich sind es jetzt Kader von grossen Firmen, die davon profitieren und nicht mehr die Staatsangestellten. Im Unterschied zu den Staatsangestellten sind diese aber nicht mal auf dem Papier dem Gemeinwohl verpflichtet. Jeder ist sich selbst am nächsten. Darwinismus in Reinkultur.

Und dann?

Wenn die Zahl der Arbeitslosen steigt, ist das für die Unternehmer ein kurzfristiger Nutzen, denn so wird die Arbeitskraft getreu dem Marktprinzip billiger (mehr Angebot, geringerer Preis). Die Sozialausgaben jedoch werden steigen (was die Unternehmen wiederum in höheren Sozialabgaben zu spüren kriegen) und die Kaufkraft der Masse ist geschwächt. Da der Gutverdienende nicht so viel ausgibt, wie alle schlechter verdienenden zusammen weniger ausgeben können, sinkt auch der Gesamtkonsum (ausgenommen bei Luxusgütern vielleicht).

Gibt es eine andere Lösung?

Unternehmen sind zunehmend abhängig von volatilen Aktienmärkten und dem Druck von Investoren, die oftmals nur an kurzfristigen Gewinnen orientiert sind.

Es gibt nur eine Rettung in dieser Entwicklung und die heisst Investition ohne Aktienmärkte und Kredite zu günstigen Zinsen. Kleinbetrieben dürfen keine Steine in den Weg gelegt werden. Angestellte von Grossfirmen brauchen Gesamtarbeitsverträge, Managerlöhne müssen nach oben begrenzt werden. Um das Lohnniveau in einem Land zu halten, dürfen die Löhne der Arbeitnehmer nicht radikal dem Markt ausgesetzt werden.

Die Unternehmen treffen in der Schweiz auf funktionierende Infrastrukturen, gut gebildete Arbeitskräfte und hohe Lebensqualität, welche gut qualifizierte Leute anlocken kann. Es gibt keinen Grund sich auf Lohndumping einzulassen. Dies schadet nämlich der ganzen Volkswirtschaft und diese kann sich keine Investitionen in Bildung und Forschung mehr leisten, das einzige was dem Land für die Zukunft Erfolg garantieren würde.

Die Sprache

Sprache ist nicht nur eine Kunst, sie definiert den Menschen wohl mehr als alles andere. Was er über sich, über andere und seine Umwelt denkt, wie und was er wahrnimmt und wie er das Wahrgenommene verarbeitet, hängt von seinen Denkmustern, und damit unmittelbar verknüpft von seinem Kategoriensystem, also von seiner Sprache ab.

Das menschliche Bewusstsein wäre soviel weniger ohne die Sprache, auch wenn diese allein nicht reicht um alles zu beschreiben, was wir in dieser Welt antreffen. Oftmals sind Dinge und Gefühle, Erlebtes und Gedachtes unaussprechlich und jeder Versuch, das Erkenntnis in Worte zu fassen, scheitert kläglich und führt vom Kern dessen weg, was wir eigentlich beschreiben wollten. Umso erfreulicher und erfüllender, wenn es jemandem gelingt, Gedachtes und Erlebtes so in Worte zu fassen, dass man nur noch staunen kann. Sich wirklich mitzuteilen, die Sprache mit Bildern zu versehen, Gedanken lebendig werden zu lassen, ist wohl eine der schwierigsten und schönsten Künste zugleich. Das Reich der Sprache ist das Reich der Phantasie, der Assoziationen, ein unendlicher Raum von Worten und Bildern und deren Verknüpfungen.

Die Sprache ist Träger unserer Kultur, an allen Orten auf dieser Welt finden sich darin nicht nur kollektives Wissen und gemeinsame Werte, sondern auch die Geschichte eines Ortes und einer Menschengruppe wieder. Die Sprache ist ein sehr guter Spiegel für die Kultur einer (Teil-)Gesellschaft. Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen aber auch subkulturelles Gedankengut sind darin erkennbar.

Die Sprache ist aber auch ein Werkzeug. Sie ist vom Menschen in vielfältiger Weise geprägt und entwickelt worden. Gewisse Spielformen von Sprachgebrauch nehmen regelrecht bizarre Züge an. Dumm gefragt, gibt es irgendetwas auf dieser Welt, das ohne Sprache auskommt? Sprache ist Macht, ich behaupte, sie ist nach körperlicher und institutioneller (struktureller) Gewaltausübung, der wesentlichste Faktor von Macht überhaupt. Sie ist ein Medium, sie definiert Begriffe und Strukturen und die Durchsetzung von Spielregeln.

Wieso spreche ich überhaupt von Macht? Weil Sprache instrumentalisiert werden kann, weil sie missbraucht werden kann, um die Welt so zu definieren, wie man sie gerne haben möchte. Wenn Sprache unser Denken prägt, ist es dann nicht gefährlich, wenn ein paar wenige Leute darüber bestimmen können, welche Sprache gesprochen wird? Ich spreche dabei nicht von Regeln oder Grammatiken, ich spreche von Inhalten. Wenn ich mir die Massenmedien und die Politiker auf dieser Welt ansehe und anhöre, dann beschleicht mich manchmal ein sehr unangenehmes Gefühl. Kann es denn sein, dass sich der Diskurs um Visionen und Probleme auf dieser Welt in so engen Schranken bewegt? Klar, es gibt auch alternatives Gedankengut, aber bestimmt ist euch schon aufgefallen, wie viele Dinge auf dieser Welt von einer Massenkultur vorgegeben werden und von sehr vielen Menschen unreflektiert übernommen werden...

Auch wir sind viel mehr von der Sprache der grossen Massen beeinflusst, als wir das wohl wahrhaben wollen. Sind wir froh, dass es ausser Massenmedien auch noch gute Bücher gibt. Empfehlen würd ich momentan (immer noch aktuell) Fritjof Capra („The Turning Point“ und „The Tao of Physics“), der die Welt der Naturwissenschaften hervorragend mit Erkenntnissen aus anderen Wissenschaften verbindet. Die Wissenschaft ist übrigens das beste Beispiel, wie Sprache unser Wissen beeinflusst und umgekehrt, aber dazu ein andermal…

Wie funktioniert unsere Gesellschaft?

Was zeichnet ein typisches Leben in westlichen Gesellschaften aus? Sobald ein Kind sechs oder sieben Jahre alt ist, wird es in die Schule geschickt. Es lernt zu lesen und zu schreiben, zu rechnen und etwas Geschichte, etwas Geographie, etwas Biologie und so weiter.

Bald schon, spätestens in der Pubertät, wird ihm gesagt, dass es sich jetzt entscheiden muss, welchen Beruf es ausüben will. Beruf? Was soll den das sein? Eine Funktion? Ein Rädchen im System? Oder darf der auch Spass machen?

Je nach Elternhaus sehen die Antworten auf diese Fragen anders aus. Die allermeisten werden sich gewöhnt sein, dass Papa, und manchmal auch Mama, morgens zur Arbeit fährt und abends müde nach Hause kommt. Wieso sie das tun? Damit die Familie was zu essen kaufen kann, wird dann wohl die Erklärung sein, und all die anderen Dinge, die man noch so braucht. Hm, na gut, zum Glück macht das der Papa für uns.

Doch ewig wird das so nicht laufen, lernt das Kind weiter. Irgendwann muss jeder selbst Geld verdienen. Ohne Geld kriegt man ja eh nichts heutzutage.

Das System ist einfach. Damit die Leute sich abfinden damit, dass sie ihr Leben lang Geld verdienen müssen, macht man sie davon abhängig. Am besten schon bei der Ausbildung.
Ein gutes Vorbild sind die USA, wo viele Studenten, die nicht aus vermögenden Familien stammen, mit riesigen Schulden ihr Studium abschliessen.

Keine Zeit bleibt da, um das erworbenen Wissen möglichst ideal einzusetzen, sich einen Job zu suchen in dem man sich selber verwirklichen kann. Erst müssen mal die Schulden abbezahlt werden und leben will man ja schliesslich auch.

Es ist ziemlich einfach, je teurer das Leben ist, desto mehr muss man arbeiten. Die viel zitierte Freiheit oder Wahlfreiheit ist da nicht wirklich vorhanden. Selbst wer sparsam lebt, braucht in einer modernen Gesellschaft viel Geld. Und dummerweise hängen die Preise, die man zahlt nicht nur vom eigenen Konsum ab, nein wenn sich viele Leute ihren Luxus leisten können, gehen die Preise auch für bescheidene Leute hoch. So einfach funktioniert das mit dem Markt.

Wir sind gefangen in einer Welt, wo man ohne Geld (fast) nichts kriegt und mit Geld dafür (fast) alles. Geld ist ein unmittelbares Medium zur Machtausübung.