Freitag, August 25, 2006

Geld oder nicht Geld?

Wohin externalisiert der Kapitalismus seine Kosten in einer globalisierten Welt, oder besser gesagt in einer global kapitalistischen Welt? Jenseits von der Frage, wie die Arbeit, die Wertschöpfung und das Kapital innerhalb kapitalistischer Gesellschaften verteilt sind, muss sich diese Frage stellen.

Die Grundidee einer kapitalistischen Gesellschaft ist es, mit Hilfe des Geldes globale Tausch-, Handels- und Produktionsbeziehungen zu ermöglichen. Faktisch gibt es natürlich Ungleichheiten zwischen einzelnen Nationen (verschiedene Währungen, andere Ressourcen, anderes Wissen, andere Kulturen), doch dem Geld ist das egal. Es wird dort investiert, wo es sich am einfachsten vermehren lässt.

Es stellt sich nun die Frage, was denn die Vermehrung von Geld tatsächlich rechtfertigt.

Wenn der Markt funktioniert, wird der Geldwert (Preis) von Gütern und Dienstleistungen streng nach Angebot und Nachfrage festgelegt. Geld ist aber immer ein relativer Wert. Ein Produkt kann nur verglichen mit einem anderen Produkt besser, rarer oder teurer sein.

In einer perfekt funktionierenden Geldwirtschaft müsste die Summe aller geschuldeten und verfügbaren Geldwerte genau Null betragen. Geld hat theoretisch eine reine Vermittlerfunktion. Geld an und für sich hat keinen Wert (das mag für Mitglieder westlicher Zivilisationen absurd klingen, ist aber so; würden alle Geldbesitzer innerhalb der nächsten 24 Stunden ihr Vermögen von ihrer Bank in Form von Gold oder einer anderen real existierenden Ressource ausbezahlt wollen, das System würde im Nu zusammenbrechen).

Dass in den meisten Gesellschaften zumindest der nördlichen Hemisphäre (also den Zentren des kapitalistischen Systems) Geldwerte einigermassen stabil sind, ist an und für sich sehr erstaunlich. Dies funktioniert nur, weil komplexe Mechanismen und Regulatorien in die Geldwirtschaft eingeführt wurden, bei welchen einzelne Machtzentren zwar eine grosse Rolle spielen, sich jedoch praktisch vollumfänglich an Marktmechanismen halten müssen - ihrer eigenen Stabilität zu Liebe. Dies wäre eigentlich ein Musterbeispiel einer Quasi- Selbstregulation.

Das Ganze hat jedoch gewisse Haken, um es mal gelinde auszudrücken. Der erste Haken ist wie schon angesprochen die Abdeckung von Geldwerten mit realen Ressourcen. Sobald es hart auf hart geht, werden nicht nur Aktienmärkte kollabieren, sondern auch die Vermögen von ganzen Nationen (von Einzelnen und Familien sowieso) über Nacht wegschmelzen. Das Einzige was dann noch hilft, ist der Besitz von realen Ressourcen wie Land, Wasser, Öl und ein paar wenigen anderen lebensnotwendigen Gütern.

Es ist ja nicht so, dass die wirklichen Machthaber und Fädenzieher dieser Welt dies nicht wissen (ob sie es intuitiv oder logisch erfasst haben, spielt dabei gar keine Rolle). Wie anders sind wohl die neoimperialistischen Avancen der mächtigsten Nationen dieser Welt zu erklären? Dabei ist Europa ebenso wenig ausgenommen, wie Russland oder Teile Asiens. Der Schuldenerlass an die ärmsten Nationen und ähnliches sind eine reine Farce angesichts der realen Perspektiven und Probleme dieser Länder. Ob der Kampf um neue Absatzmärkte und günstige Ausgangspositionen in ressourcenreichen Regionen nun unter dem Deckmantel von Demokratie geführt wird oder nicht, ist dem Imperium des Geldes wohl so ziemlich egal.

Der nächste Börsenkollaps, die nächste Wirtschaftskrise ist bloss eine Frage der Zeit. Sei diese(r) nun verursacht durch Kriege, Aufstände, Katastrophen oder simpel durch die Tatsache, dass der Energiebedarf einer wachsenden Weltwirtschaft (die ja wachsen muss, um zu überleben!) nicht mehr gedeckt werden kann und ein Kampf um die realen Ressourcen ausbricht.

Bevor man sich über die Notwendigkeit von Wachstum und über die Frage nach Wachstum auf Kosten von wem oder was genügend Gedanken machen kann, wird die Geldwirtschaft in der Realität schon lange kollabiert sein, oder zumindest kurzfristig arg ins Straucheln geraten.

Was dann entbrennt, ist wie gesagt der Kampf um reale Ressourcen. Wie dieser Kampf aussehen wird, möchte man sich lieber nicht ausmalen. Denkt man an die Kriege vergangener Jahrhunderte, mischt eine Prise neuer Technologien und eine deftige Dosis wiederentdeckter Ideologien und schamloser Demagogie dazu, darf man grossen Teilen der Welt getrost gute Nacht sagen.

Nun will ich hier nicht schwarz malen. Es gibt zum Glück noch andere Wege, wie das System der Geldwirtschaft kollabieren kann. Im Kleinen ist ja gegen Geld nichts einzuwenden, es erfüllt gute Dienste. Ich möchte meine Äpfel auch nicht täglich beim Bauern holen gehen und dem Handwerker eine Kuh mitbringen, damit er mir fliessendes Wasser in die Wohnung bringt. Das Problem entsteht erst dann, wenn sich das Geld so sehr von seinen Besitzern entfremdet hat, dass eine enorme Macht damit ausgeübt werden kann. Also dann, wenn das Geld so viel (absurden) Wert kriegt, dass sich Regierungen Atombomben kaufen können, dass sich Nationen ohne mit der Wimper zu zucken so tief verschulden können, dass sämtliches Gold auf der Welt nicht reichen würde, dieses Leben auf Pump zu finanzieren.

Wieso das Ganze (bis jetzt) funktioniert? Weil die Illusion geschaffen wird, dass Geld an und für sich einen Wert hat, weil das Vertrauen geschaffen wird, dass Geld auch morgen noch so viel Wert ist wie heute und das Märchen erzählt wird, dass jeder reich werden kann und sich damit mehr leisten, wenn er nur daran (an das Geld) glaubt. Tatsächlich funktioniert diese Plutokratie stellenweise und tatsächlich ist es für manche möglich, innerhalb einer schmalen Bandbreite finanziell aufzusteigen und sich damit mehr leisten zu können als vorher.

Längerfristig wird das aber nicht so funktionieren, weil die Verhältnisse sich ins Absurde wandeln. Das Verhältnis eines Arbeiterlohnes zum Verhältnis eines Managers ist genauso mickrig klein wie das Verhältnis dieses Managerlohnens zu dem Gesamtwert seiner Firma und dieser ist wiederum mickrig klein verglichen mit dem Budget des (Rechts?)Staates, in dem diese sich bewegt.

Solange das Vertrauen in Geld erhalten werden kann und je grösser die Wirtschaftsräume werden, so lange werden sich die Zentren der Macht (und Teile ihrer Bevölkerung) die Hände reiben. Es gibt nur einen Weg den Mächtigen den Boden unter den Füssen wegzuziehen. Nehmt Ihnen das Geld weg! Ganz einfach. Ich spreche nicht von Diebstahl, ich spreche nur davon, diesem Geld bzw. diesem System kein Vertrauen mehr zu schenken. (D.h. zum Beispiel eigene Tauschsysteme aufbauen, das Geld nicht in herkömmlichen Aktien anlegen, ...)

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Hi, nimm meine Kritik nicht allzu ernst und sorry für die vielen Fehler, hoffe man kann es trotzdem lesen.

"Es stellt sich nun die Frage, was denn die Vermehrung von Geld tatsächlich rechtfertigt."

Ich denke die Frage lässt sich am besten beantworten indem man sich eine Welt ohne Zins und Zinseszins vorstellt. Ohne den Anreiz von zusätzlichen Einnahmen auf geliehenes Kapital oder Güter würde kein Mensch eine Investition tätigen. Der Zins sorgt dafür, dass das Geld dort hinfliesst wo es gebraucht wird, wo die Ideen sind, die verwirklicht werden wollen. Ohne den Zins wäre die Markteinführung von neuen Produkten nicht extrem verlangsamt, sondern würde meistens gar nicht erst stattfinden.


"In einer perfekt funktionierenden Geldwirtschaft müsste die Summe aller geschuldeten und verfügbaren Geldwerte genau Null betragen."

Stimmt das wirklich?
verfügbares Geld < geschuldetes + ZINS
Da durch den Zins die geschuldete Geldmenge wächst, die verfügbare aber stagniert, muss halt Geld nachgedruckt werden. Ansonsten würde es zur einer massiven Deflation kommen.


"Geld hat theoretisch eine reine Vermittlerfunktion."

Gegenbeispiel: Wenn der Staat Steuer einfordert, dann geschieht das unter Androhung von Gewalt in Form von Freiheitsentzug. Die Steuerforderung wird in Geldform verlangt. In dem Zeitpunkt, wo ich mich aufmache dieses Gut Geld aufzutreiben spielt es keine Rolle ob es gedeckt ist oder nicht, falls es eine Deckung in irgendeiner Form hat, dann in der meiner eigenen Freiheit.

Geld besitzt nicht nur einen reinen Vermittlungzweck, sondern noch etwas anderes, das eigentliche Problem, will man sich von einer Geldwirtschaft entfernen.
Es ist auch er Grund, wieso unser System, im Groben nicht mehr verbessert werden kann. Geld ist nämlich INFORMATION. Praktisch alle Probleme der WESTLICHEN!!! WELT lassen sich auf einen Mangel an INFORMATION zurückführen. Alle öffentlichen Güter sind davon betroffen: saubere Luft, Artenschutz, Kultur etc. Die ganzen Spekulationen an der Börsen entstehen, weil verschiedene Spekulanten, eine Ware unterschiedlich einschätzen aus Mangel an Informationen(Finanzkrise lässt Grüssen). Das Ganze lässt sich beliebig weiter führen. Der Staat hat das Problem, dass er nicht weiss was die Leute wollen und wo er daher das Geld investieren soll. Soll er es in mehr Polizei, Bildung oder Gesundheitswesen investieren? Und selbst, wenn die Prioritäten bekannt sind, in welchen Verhältnis soll es geschehen?

Das Schlussfazit verstehe ich überhaupt nicht. Man kann das Geld den Banken wegnehmen, indem man es selber investiert! Anstatt es den unproduktiven Banken auszuleihen für einen mickrigen Prozentsatz. Also eröffnet ein Aktiendepot und leiht es meinetwegen dem Schweizerstaat aus in dem ihr Staatsanleihen kauft. Aber überlasst es nicht den Banken, die euer Geld profitabler weiter verleihen.

mfg Kresh

7:22 AM  

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